Mein erster FMT-Artikel aus FMT ...1994

Stromer - Elektro, ein ganz normaler Nurflügel ?

Auf der Suche nach dem "anderen Flugmodell" sah ich die "Schwanzlosen" zum ersten Mal vor ca. drei Jahren in Versmold. Vor allen Dingen das Flugbild begeisterte mich. Nach Rücksprache mit bekannten NF-Piloten baute ich meinen ersten Pfeil CO2 in einer Elektroversion mit 12 Zellen und dem Keller 40/10. Als Allround modell fliegt es heute noch sehr gut. Etwas tiefer in die Materie eingestiegen und inzwischen mit viel Literatur ausgestattet, wollte ich einen grossen, elektrischen Nurflügel bauen. Angeregt durch diverse Artikel von Prof. Michael Schönherr kam ich auf das "Stromburg Konzept". An dieser Stelle wird das Konzept nicht nochmals vorgestellt. Siehe die Literaturhinweise am Ende des Artikels. Dieses Konzept wurde von mir aus folgenden Gesichtspunkten zum Nachbau ausgewählt:

Bauauslegung:
Flächen: Im Positivverfahren, Kohle / Glas auf den Styrokern gepresst. In die T/4 Linie einen Sandwichholm Balsa/Kohle eingearbeitet. Mittelteil: dto. wie Flächen, aber mit Verbindern und Höhenruderverkastungen.
Ohren: dto. wie Flächen, ohne Holm.
Rumpf: Negativform, Glas / Kohle im Verbund.

Modelldaten:

Spannweite:
Profil Wurzel:
Profil Fläche:
Profil Ohren
Querrudersteuerung:
Streckung:
Flächenbelastung:
Gewicht:
Antrieb:
Luftschraube:
Zellen:
Getriebe:
4500 mm
E210mod
HQ mod.
HQ mod
Junkers-Spaltklappen
23
53 gr/dm
4500gr
Keller 50/8
Ariane
20 x Sanyo Cut off
2:1, Kruse Syncrogear

Erstflug im Mai 1994
Nach der Fertigstellung des Riesenflügels kamen mir doch einige Bedenken, ob das Modell überhaupt fliegt. Ich beschloss den NF mit dem Gummiseil zu katapultieren. Danach sollte der Elektromotor eingeschaltet werden. Was bewirkt der Druckpropeller nach dem Einschalten ?. Lastigkeitsänderungen ?. Viele Fragen, aber die Praxis würde es zeigen.

Beim Erststart erhöhte sich der Andrenalinausstoss gewaltig. Die Helfer spannten das Gummi, es gab kein Zurück. Nach dem Start rief jemand: "Motor an !". Ich war beruhigt, der Stromer flog sehr ausgeglichen, allerdings mit einer zu hohen Geschwindigkeit. Deshalb war die Landung nicht so einfach, ein Ohr ging zu Bruch.

Nach Rücksprache mit dem Konstrukteur Herrn Prof. Schönherr mussten die Junkers - Spaltklappen ca 5 mm stärker auf "Höhe" justiert werden. Beim Zweiten Flug und Windstille flog der Stromer ausgezeichnet. Drei gute Steigflüge auf ca. 150m, sowie eine Motorlaufzeit von ca. 4-5 Minuten sind möglich. Gesamtflugzeit ohne Thermik ca. 20 Minuten.

Der dritte Flug fand eine Woche später in Kaltenkirchen auf dem Konstruktions- wettbewerb statt. Bei diesem Wettbewerb belegte der "Stromer" Platz vier und bekam den Ehrenpokal für das "aussergewöhnliche Modell". Leider konnte das gesamte Leistungsspektrum des Modells nicht ausgeflogen werden, da der Wind sehr stark war.

Das Stromburgkonzept ist eine mögliche Variante einen leistungsfähigen NF zu bauen. Seine Vorteile liegen vor allem im weiträumigem Thermikflug . Der "Stromer" ist gutmütig im Start und Flug . Die Landung muss schön gerade erfolgen (sonst knickt das Ohr ab). Das Elektrokonzept macht den Piloten unabhängig von der Winde. Die höhere Flächenbelastung wird locker weggesteckt und liegt bei ca 53g/dm.

Die Bauweise erfordert eine hohe Torsionsfestigkeit und Biegesteifigkeit, bei geringem Gewicht. Da kommt vor allem Kohlegewebe in Verbindung mit einem Sandwichholm zum Einsatz. Dadurch ist der Bau der Flügel komplizierter und teuer. Die hängenden Ohren sind etwas bruchgefährdet. Das Trimmen der Klappen, Höhe und Quer ist nur mit modernen Computeranlagen mixbar, da man das Modell während des Fluges auf den Geschwindigkeitsbereich Mithilfe der Klappen eintrimmen muss. Das heisst, gedrückter Flugzustand (Höhenruder, Tiefe) bei stärkerem Wind, gezogener Flugzustand (Querruder, etwas Höhe) in der Thermik. Keinesfalls mit den Querrudern Tiefe geben, da sich sonst der gesamte Anstellwinkel des Modelles ändert und es zu Ententypischen Nickbewegungen kommt. Beim Landeanflug sollten die Querruder nicht zu stark gezogen sein, das Modell darf nicht ausgehungert werden, denn bei Windstille könnte es sonst zu Abrisserscheinungen kommen. Im Landeanflug ist das eine böse Überraschung. So passiert am 9.7.94. Also immer schön Fahrt halten. Leichte Flattererscheinungen bei Hochgeschwindigkeiten um 120 km/h wurden festgestellt. Dieses Phänomen kann aber auch, wie vor genannt, an den Klappeneinstellung gelegen haben.

Fazit:
Die Leistungsfähigkeit des NF ist noch nicht ganz ausgereizt. Gerade das M-V-Konzept lädt die Modellflieger zum experimentieren ein. In Kombination mit dem stark verwundenem Mittelteil (E210), kann man am Hauptflügel und an den Ohren verschiedene cmo - negative Profile einsetzen. Eine kleine handlichere Elektroversion mit dem Eppler 205 und 2500mm Spannweite wäre auch denkbar.

Der "Stromer" ist ein interressanter Grosssegler mit guten Flugeigenschaften und einem eigenwilligen Flugbild.

Literaturhinweise zum Stromburg - Konzept:
Faszination Nurflügel , VHT - Fachbuch
FMT 2/87 Artikel Prof. M. Schönherr
FMT 6/90 "Nuflente" Artikel Dr. W. Lauer und W. Reiter

Nachlese:

Wir schreiben jetzt das Jahr 2001. Der Stromer-Elektro fliegt immer noch. Durch meine Objektforschung ist für mich der M-V-Flügel weitgehendst erforscht. Auch durch auftriebsstärkere Profile ist keine Leistungssteigerung zu erwarten. Ohne Spaltklappen, mit Querrudern ausgestattet, tritt ein starkes negatives Gieren, gekoppelt mit allen negativen Eigenschaften des NF's auf und verhindert den Kurvenflug.
M-V-Flügel zu fiegen ist einfach phantastisch. Es ist der Nurflügel der anderen Art. Im Vergleich zum Hortengrossmodell von Alfons Gabsch (Gemini) hat der Stromer eine etwa gleiche Leistung (20 Min. Flugzeit ohne Thermik). Ich kann nur jedem interessierten Leser zum Nachbau raten.

stromer